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Feiern für die Freiheit auf großer und kleiner Bühne

31/05/2012 von Wolfgang Grenz (Generalsekretär der deutschen Amnesty-Sektion)

Am 28. Mai 2011 haben wir auf den 50. Geburtstag von Amnesty International angestoßen. Das Jubiläumsjahr ist nun zu Ende, doch unsere Arbeit geht weiter.

Wolfgang Grenz ist seit 2011 Generalsekretär der deutschen Sektion von Amnesty International. Zuvor war er bereits mehr als drei Jahrzehnte hauptamtlich für Amnesty tätig, u.a. als Referent für Asylrechtsfragen und als Leiter der Abteilung "Länder, Themen und Asyl".

 

Vor fast genau einem Jahr, am 28. Mai 2011, haben wir auf unseren 50. Geburtstag angestoßen. Bei einer großen Veranstaltung in Berlin. Eine für uns ungewohnte Rolle. Meistens sind wir damit beschäftigt, Folter und andere Grausamkeiten zu dokumentieren, Regierungen zu kritisieren, die Freilassung von gewaltlosen politischen Gefangenen zu fordern, Menschen bei ihrem Kampf gegen rechtswidrige Zwangräumungen zu unterstützen oder Politiker daran zu erinnern, den schönen Sonntagsreden über die Achtung der Menschenrechte auch Taten folgen zu lassen.

Diese Arbeit hörte natürlich auch im Jubiläumsjahr nie auf. Aber wir durften auch mit etwas Stolz auf einige Erfolge zurückblicken. Am greifbarsten sicherlich bei der Todesstrafe: Als wir 1977 anfingen, ihre Abschaffung zu fordern, war sie erst in 16 Ländern abgeschafft. Heute verzichten 141 Länder auf diese grausame und unmenschliche Strafe.

Aber auch unzählige Einzelfälle zeigen uns, dass unsere Arbeit nicht vergeblich ist: Gefangene, die freigelassen wurden oder zumindest bessere Haftbedingungen erhielten, nachdem Tausende Amnesty-Unterstützer an die Behörden geschrieben hatten. Maßnahmen, die zum Schutz von bedrohten Gewerkschaftern oder Frauenrechtsaktivistinnen ergriffen wurden. Verfahren gegen Folterer, die nach Jahren der Straflosigkeit eingeleitet werden.

Und selbst Fälle, in denen alle unsere Appelle auf taube Ohren zu treffen schienen, können im Rückblick ermutigen, weiter zu machen: Oft erfahren wir erst sehr viel später, wie wichtig es für die Gefangenen oder Verfolgten war, zu wissen: Sie sind nicht vergessen, sie sind nicht allein.

Diese Erfolge bleiben aus den vergangenen 50 Jahren. Was bleibt von diesem Jubiläumsjahr? Für mich besonders beeindruckend waren die vielen kleinen und großen Feiern, die unsere Gruppen und Bezirke verstreut über ganz Deutschland organisiert haben. Teilweise feierten sie selbst schon runde Geburtstage: 25, 30, 40 Jahre. Es gab Lesungen, Konzerte, öffentliche Aktionen. Von einigen erfuhr auch ich erst durch die Zeitung, aber einige konnte ich persönlich miterleben.

Wie zum Beispiel im Schauspielhaus in Frankfurt am Main. Eine großartige Mischung aus künstlerischen Beiträgen und politischen Informationen hatte der Amnesty-Bezirk dort organisiert, mit der türkischen Anwältin Eren Keskin, dem in Deutschland lebenden ägyptischen Oud-Spieler Basem Darwisch und vielen anderen. Oder wie Aachen, wo in einer Feierstunde auch die Preisträger des Schulprojekts "Menschenrechte in Aachen - Gestern, Heute, Morgen" geehrt wurden.

Und so bleibt mir vom Jubiläumsjahr ganz besonders die Kreativität und das Engagement der altgedienten und der ganz jungen Amnestymitglieder im Gedächtnis.

Ganz zum Schluss kam dann unser Geburtstag noch einmal auf die große Bühne: In Hamburg. Nach dem Eurovision Song Contest spielten dort Peter Maffay und Carl Carlton – übertragen in der ARD - den „Toast to Freedom“. Und widmeten ihn besonders all denen in Aserbaidschan, die dort immer noch im Gefängnis sitzen, weil sie ihre unbequeme Meinung gesagt haben. Und so endete dieses Jubiläumsjahr wie es begann: Mit Anstoßen auf die Freiheit.

Bild oben:

"Ein Toast auf die Freiheit": Festakt zum 50. Gründungsjubiläum von Amnesty International am 28. Mai 2011 im Haus der Kulturen der Welt in Berlin.

© Karsten Thielker/Amnesty International