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50 Jahre Amnesty in Bildern

30/05/2012 von Jochen Waue (Sprecher der Amnesty-Gruppe Oberhausen)

Eine Wanderausstellung präsentiert anlässlich des Gründungsjubiläums Geschichten und Gesichter aus fünf Jahrzehnten Amnesty. Bis Mitte Juni ist sie in Oberhausen zu sehen.

Jochen Waue ist Sprecher der Amnesty-Gruppe Oberhausen und seit 1995 Mitglied von Amnesty International.

 

50 Jahre Amnesty International – das ist ein Grund zu feiern. Denn 50 Jahre Amnesty International, das heißt auch: 50 Jahre Einsatz für die Menschenrechte und für Menschen in Gefahr.

Seit mittlerweile fünf Jahrzehnten bewirken weltweit gewöhnliche Menschen Außergewöhnliches durch ihr Engagement bei Amnesty. Und je mehr Menschen von unserer Arbeit erfahren und sich entschließen, mitzumachen, um so mehr können wir erreichen.

Deshalb hatten wir Mitglieder der Amnesty-Gruppe Oberhausen uns entschieden, die Wanderausstellung „50 Jahre Amnesty International“ in unsere Stadt zu holen, um über unsere Arbeit zu informieren und die Geschichten und Gesichter aus der 50-jährigen Historie von Amnesty vorzustellen. Seit dem 50. Geburtstag unserer Organisation im Mai 2011 ist sie bereits von nahezu 180 Amnesty-Gruppen in verschiedenen Versionen bundesweit gezeigt worden.

Nach einigen Wochen Vorbereitungszeit war es dann Mitte Mai auch bei uns so weit: in kleiner Runde eröffneten wir die Ausstellung im Foyer des Bert-Brecht-Hauses. Gesa Reisz, die Leiterin der Abteilung „Politik, Gesellschaft  und Geschichte“ der Volkshochschule Oberhausen, gab eine lebendige und engagierte Einführung, die ich mit einigen Bemerkungen zur Gründung und zur Struktur von Amnesty ergänzte.  Die Ausstellung trägt in Oberhausen das Motto „Amnesty International – 50 Jahre und eins“, da Amnesty am 28. Mai 2012 ein weiteres Jahr älter geworden ist.

Führt chronologisch durch fünf Jahrzehnte Menschenrechtsarbeit: die Wanderaustellung von Amnesty International.

Seit Mitte der 1970er Jahre ist Amnesty in Oberhausen aktiv. Seit Mitte der 1990er Jahre machen wir auch beim Bürgerfunk mit und präsentieren aktuelle Fälle und Themen von Amnesty. Über das Radiomachen haben auch zwei Abiturienten den Weg zu uns gefunden. Ich möchte nicht wissen, wie unser Ausstellungsprojekt geendet hätte, wenn wir nicht die logistische Unterstützung dieser beiden gehabt hätten. Es dauerte schließlich mehrere Stunden, bis alles an seinem Platz war.

Fünf große Kuben aus Kartons führen chronologisch durch fünf Jahrzehnte Menschenrechtsarbeit. Sie zeichnen die Entwicklung und die wichtigsten Stationen der Amnesty-Geschichte nach und setzen sie in den Kontext des zeithistorischen Geschehens. Dabei werden die prägendsten Themen und Ereignisse jedes Jahrzehnts auf jeweils einem Kubus dargestellt. Konzipiert und umgesetzt wurde das Konzept von Ausstellungsmacher Robert Eysoldt sowie Kathrin Wolf und Simon Kiepe von 10hoch16. Die Themenausrichtung entstand in enger Zusammenarbeit mit der deutschen Amnesty-Sektion.

Die Besucher können den Weg der Organisation seit der Gründung zur Zeit des kalten Krieges bis heute buchstäblich durchlaufen. Der erste Kubus zeigt, wie alles begann: Amnesty International wurde im Mai 1961 durch einen Zeitungsappell des britischen Rechtsanwalts Peter Benenson gegründet - dem "Appeal for Amnesty". Darin rief Benenson dazu auf, Regierungen anzuschreiben, um die Freilassung politischer Gefangener zu fordern. Damit war der erste thematische Schwerpunkt der Amnesty-Arbeit gelegt.

In den 1970er Jahren kam der Kampf gegen die Todesstrafe als weiteres wichtiges Amnesty-Thema hinzu - das illustriert der zweite Kubus. Der dritte Kubus repräsentiert die Amnesty-Arbeit der 1980er Jahre, unter anderem mit dem Thema Flüchtlingsschutz. Der Kampf gegen Straflosigkeit begann in den 1990er Jahren, denn Menschenrechtsverletzungen dürfen nicht ungeahndet und straffrei bleiben. Seit 2000 arbeitet Amnesty auch zu den sogenannten "wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechten", was der fünfte und letzte Kubus zeigt. Die Ausstellung erinnert an die größten Erfolge  – aber auch daran, dass es leider nicht immer gelungen ist, Schlimmes zu verhindern.

Wie alles begann: Der erste Kubus zeigt unter anderem, wie der Einsatz für die Freilassung politischer Gefangener der erste thematische Schwerpunkt der Amnesty-Arbeit wurde.

Bis zum 15. Juni wird die Ausstellung in Oberhausen zu sehen sein. Schon jetzt wird spekuliert, was danach wohl mit den Kartons passieren wird. Kinder wünschen sich zum Beispiel, die Würfelbauten wie Häuser begehbar zu machen. Das ist vielleicht eine Idee für zukünftige Projekte, über die wir nachdenken werden.

Doch noch läuft die Ausstellung. Die Organisation hat uns alle gefordert, doch es hat auch viel Spaß gemacht. Auch für mich war es sehr interessant, mich als Vorbereitung für die Eröffnungsrede noch einmal eingehender mit der Geschichte unsere Organisation zu beschäftigen.

Schön wäre es, wenn der ein oder andere Besucher der Ausstellung seinen Weg in unsere Gruppe finden würde. Denn darum ging es Amnesty-Gründer Benensons ja schließlich: Möglichst viele Menschen zu motivieren, sich gemeinsam für den Schutz der Menschenrechte einzusetzen. Und diese Idee hat auch nach 50 Jahren nichts von ihrer Überzeugungskraft verloren.

Bild oben:

"Amnesty International - 50 Jahre und eins": Amnesty-Mitglieder und Vertreter der Volkshochschule Oberhausen bei der Eröffnung der Ausstellung im Bert-Brecht-Haus.

© Wochenanzeiger Oberhausen