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Der letzte Henker Europas

21/10/2011 von Katharina Wiatr (Belarus-Koordinationsgruppe, Amnesty Deutschland)

Belarus verhängt und vollstreckt noch immer die Todesstrafe. Wir setzen uns dafür ein, dass dies endlich ein Ende nimmt! Unsere Amnesty-Gruppe arbeitet dabei eng mit mutigen AktivistInnen in Belarus zusammen. Vor kurzem haben wir sie besucht.

Katharina Wiatr (26) studierte Jura in Dresden, Paris und Potsdam. Seit 2003 engagiert sie sich ehrenamtlich bei Amnesty International für die Einhaltung und Durchsetzung der Menschenrechte in Belarus. Mitarbeit an diesem Beitrag: Lea Voget. 

 

Eklatante Menschenrechtsverletzungen mitten in Europa müssen Aufsehen erregen! Zum internationalen Tag gegen die Todesstrafe protestierten darum Mitglieder von Amnesty International (Bezirk Berlin-Brandenburg) mit dem Amnesty-Mobil, roten Laternen und Straßentheater gegen die Anwendung der Todesstrafe in Belarus.

Aktion vor dem Brandenburger Tor. Fotostrecke als Diashow bei Flickr ansehen!

Rund 40 Amnesty-Mitglieder aus Berlin – einige davon in den Amnesty-Koordinationsguppen „Gegen die Todesstrafe“ und „Belarus“ aktiv – hatten sich am 9. Oktober 2011 am Brandenburger Tor versammelt. Binnen zwei Stunden konnten wir etwa 350 Unterschriften sammeln. Szenisch wurden Hinrichtungen dargestellt, um die Willkür, Unrechtmäßigkeit und Endgültigkeit der Todesstrafe zu verdeutlichen. Zum Schluss der Aktion zündeten wir rote Lampions als rote Laterne für das „Schlusslicht“ Belarus in Europa an.

Denn Belarus ist das letzte Land in Europa, welches immer noch die Todesstrafe verhängt und vollstreckt. Erst im Juli 2011 wurde Andrej Burdyko hingerichtet und das gleiche Schicksal ereilte wahrscheinlich auch einen verurteilten Mittäter. Ein weiterer Mann sitzt zurzeit in der Todeszelle.

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Amnesty-Spot zum Tag gegen die Todesstrafe 2011 (bei YouTube ansehen)

Dabei hatten die Zeichen für eine Abschaffung der Todesstrafe zeitweilig recht gut gestanden: 2010 erklärten sich belarussische Regierungsvertreter bereit, beim Thema Todesstrafe mit der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten und die Regierung räumte ein, dass die Abschaffung der Todesstrafe nötig sei. Doch mit dem Terroranschlag auf einen Minsker U-Bahnhof im April 2011 ist das Ziel der Abschaffung der Todesstrafe in weite Ferne gerückt und ein Moratorium für die Todesstrafe gilt in nächster Zeit als äußerst unwahrscheinlich.

Nichtsdestotrotz gibt es auch mutige Aktivisten gegen die Todesstrafe im Land selbst, die wir kürzlich auch persönlich kennen gelernt haben: Vier Mitgliedern unserer Koordinationsgruppe Belarus war es Ende September möglich, bei einer Veranstaltung gegen die Todesstrafe der belarussischen Menschenrechtsorganisation Viasna in Minsk dabei zu sein. Viasna hatte zu einem Wettbewerb für das beste Logo für eine Kampagne gegen die Todesstrafe ausgerufen und präsentierte die Gewinner. Auch wurden Amnesty-Spots zum Thema Todesstrafe gezeigt. Der Andrang zur Veranstaltung war groß. So groß, dass es nicht genügend Stühle für die etwa 40 Besucher gab!

Gut getroffen: Das Gewinnerlogo für die Viasna-Kampagne gegen die Todesstrafe in Belarus.

Einen Tag später konnten wir die Menschenrechtsorganisation auch in deren Minsker Büro besuchen. Im persönlichen Gespräch mit Viasna-AktivistInnen erfuhren wir Näheres über deren so wichtigen wie schwierigen Einsatz gegen die Todesstrafe. Eine Begegnung, die uns – und den anderen Mitgliedern der Kogruppe, denen wir von unserem Belarus-Besuch berichteten – bestärkt hat, uns weiter mit aller Kraft für die Menschenrechte in Belarus einzusetzen!

Zurück in Berlin machen wir daher motiviert weiter, in unserem Einsatz für die Abschaffung der Todesstrafe in Belarus. Es freut uns sehr, dass bisher schon über 12.000 Menschen die Online-Petition von Amnesty International zur Abschaffung der Todesstrafe in Belarus unterzeichnet haben!

Haben Sie selbst schon mitgemacht? Jetzt die Petition online unterschreiben!

Doch auch andere Menschenrechtsverletzungen in Belarus bedürfen der Aufmerksamkeit. Daher hat die Amnesty-Koordinationsgruppe Belarus am 19. Oktober 2011 erneut eine Mahnwache am Brandenburger Tor in Berlin abgehalten. Unsere Forderung, für die wir Unterschriften gesammelt haben: Nicht nur die Todesstrafe muss abgeschafft werden: Auch die gewaltlosen politischen Gefangenen in Belarus müssen freigelassen werden!

Mahnwache in Berlin für gewaltlose politischen Gefangene in Belarus. (Fotostrecke bei Flickr ansehen)

Sie wollen mehr über die Todesstrafe in Belarus erfahren und sich aktiv für die Menschenrechte in Belarus einsetzen?: Wir bauen gerade eine neue Amnesty-Gruppe in Berlin auf! Schauen Sie einfach auf unserer Homepage: www.amnesty-2349.de.

 

50jahre.amnesty.de über die Todesstrafe: "Ein Mensch weniger" | Amnesty-Koordinationsgruppe "Gegen die Todesstrafe"

Bild oben:

Der Musiker Konstantin Wecker, der Regisseur Michael Verhoeven und der Fußball-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger fordern die Abschaffung der Todesstrafe in dem letzten Land Europas, das weiterhin Menschen hinrichtet: Belarus (Weißrussland). Video bei YouTube ansehen

© Amnesty International